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Glossar

Zustellungsbevollmächtigter

Veröffentlicht · Aktualisiert · Autorin: Susanne Stroot · Keine Rechtsberatung

Der Zustellungsbevollmächtigte nimmt förmliche Zustellungen mit Wirkung für Dich entgegen. Er wahrt keine Fristen. Wichtig bei Wohnsitz im Ausland.

Definition

Ein Zustellungsbevollmächtigter ist eine Person oder ein Unternehmen mit inländischer Anschrift, die förmliche Zustellungen an Deiner Stelle entgegennimmt. Mit der Übergabe an ihn ist wirksam zugestellt, mit allen Folgen für den Fristenlauf.

Kurz gesagt

  • Ein Zustellungsbevollmächtigter ist eine Person oder ein Unternehmen, die förmliche Zustellungen von Gerichten und Behörden mit Wirkung für Dich entgegennimmt.
  • Grundlage im Zivilverfahren ist § 171 ZPO, im Verwaltungsverfahren § 7 VwZG, im Steuerverfahren § 123 AO.
  • Er muss im Inland wohnen oder dort einen Geschäftsraum haben und eine schriftliche Vollmacht vorlegen.
  • Wer keinen benennt, obwohl das Gericht es anordnet, dem wird nach § 184 Abs. 2 ZPO zwei Wochen nach Aufgabe zur Post zugestellt.
  • Er ist kein Prozessbevollmächtigter: Er nimmt an, verteidigt nicht und wahrt keine Fristen.
  • Stand: 28.09.2026. Preise netto zzgl. 19 % USt.

Rechtliche Grundlage

§ 171 ZPO ist die allgemeine Norm: An den rechtsgeschäftlich bestellten Vertreter kann mit gleicher Wirkung wie an den Vertretenen zugestellt werden, der Vertreter hat eine schriftliche Vollmacht vorzulegen. Für Behörden regelt § 7 Abs. 1 VwZG dasselbe und macht die Zustellung an den Bevollmächtigten zur Pflicht, sobald die schriftliche Vollmacht vorliegt.

Zwei Vorschriften erzwingen die Benennung. § 184 Abs. 1 ZPO erlaubt dem Gericht bei bestimmten Auslandszustellungen (nach § 183 Abs. 2 bis 5 ZPO) anzuordnen, dass die Partei innerhalb einer angemessenen Frist einen Zustellungsbevollmächtigten benennt, der im Inland wohnt oder dort einen Geschäftsraum hat. Wird niemand benannt, kann das Gericht das Schriftstück schlicht zur Post geben, und nach § 184 Abs. 2 ZPO gilt es zwei Wochen später als zugestellt. Steuerlich verlangt § 123 AO von Beteiligten ohne Wohnsitz, Sitz oder Geschäftsleitung in der EU oder im EWR auf Verlangen einen Empfangsbevollmächtigten im Inland; ohne Benennung gilt ein Schriftstück einen Monat nach Aufgabe zur Post als zugegangen.

Im Gesellschaftsrecht gibt es eine freiwillige, aber wirksame Variante. Nach § 10 Abs. 2 GmbHG kann eine für Willenserklärungen und Zustellungen empfangsberechtigte Person mit inländischer Anschrift ins Handelsregister eingetragen werden. Gegenüber Dritten gilt diese Empfangsberechtigung so lange als fortbestehend, bis sie gelöscht und die Löschung bekannt gemacht ist. Nicht zu verwechseln mit § 8 Abs. 4 Nr. 1 GmbHG, der die inländische Geschäftsanschrift verlangt.

Praxisfolge für Selbstständige

Wer ins Ausland zieht und eine deutsche Gesellschaft behält, trifft früher oder später auf § 184 ZPO oder § 123 AO. Die dortigen Fiktionen sind hart: Zwei Wochen nach Aufgabe zur Post oder einen Monat nach Aufgabe zur Post gilt zugestellt, unabhängig davon, ob Du das Schreiben je gesehen hast. Eine inländische Anschrift, an der Post tatsächlich für Dich angenommen wird, nimmt diesen Fiktionen die Grundlage.

Wichtig ist die Rollentrennung. Ein Adressanbieter mit schriftlicher Empfangsvollmacht nimmt an, quittiert und informiert. Er prüft nichts, legt keine Rechtsmittel ein und übernimmt keine Frist.

Fensterbriefumschlag mit Kugelschreiber auf einer Holzplatte

Weiter im Begriff

Praxisbeispiel

Modellfall, kein echter Kunde. Eine Gesellschafterin einer UG lebt in Kanada, also außerhalb von EU und EWR, die UG ist in Deutschland eingetragen. Das Finanzamt fordert sie in ihrer eigenen Steuersache nach § 123 AO auf, einen Empfangsbevollmächtigten im Inland zu benennen. Sie reagiert nicht. Zwei Monate später erfährt sie von einem Schätzungsbescheid, der einen Monat nach Aufgabe zur Post als zugegangen galt; die Einspruchsfrist ist abgelaufen. Mit einer inländischen Anschrift und Empfangsvollmacht wäre der Bescheid dort eingegangen und ihr in der nächsten Bearbeitungsrunde per E-Mail gemeldet worden.

Die Vollmacht, auf der das alles beruht, erklärt Empfangsvollmacht. Für ausländische Gesellschaften mit deutscher Zweigniederlassung gilt Eigenes: Zweigniederlassung ausländischer Gesellschaften. Wann ein Zustellungsbevollmächtigter besonders wichtig ist, zeigen Geschäftsadresse in Deutschland, Wohnsitz im Ausland und der Eintrag Zweigniederlassung. Den Wortlaut einer Vollmacht zeigt die Postvollmacht-Vorlage; vom bloßen Adresszusatz c/o und vom Nachsendeauftrag unterscheidet ihn die Befugnis, rechtswirksam anzunehmen.

Kapitel 03

Abgrenzung

Empfangsvollmacht. Der Oberbegriff aus dem Bürgerlichen Recht für jede Passivvertretung, siehe Empfangsvollmacht. Der Zustellungsbevollmächtigte ist der auf förmliche Zustellungen zugeschnittene Sonderfall.

Prozessbevollmächtigter. Nach § 172 Abs. 1 ZPO muss in einem anhängigen Verfahren an den für den Rechtszug bestellten Prozessbevollmächtigten zugestellt werden. Das ist in aller Regel ein Anwalt, der auch inhaltlich vertritt. Der Zustellungsbevollmächtigte tut das gerade nicht.

Empfangsberechtigte Person nach § 10 Abs. 2 GmbHG. Eine Eintragung im Handelsregister, keine Vollmacht im Einzelfall, wirksam bis zur Löschung.

Begriffsnetz

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Wer bestimmt den Zustellungsbevollmächtigten, ich oder das Gericht?

Benennen musst Du selbst. Das Gericht kann die Benennung nach § 184 Abs. 1 ZPO nur anordnen und eine Frist dafür setzen. Kommst Du der Anordnung nicht nach, ersetzt das Gesetz die Person durch eine Fiktion, und die geht immer zu Deinen Lasten.

Kann eine Gesellschaft ihren eigenen Geschäftsführer als Zustellungsbevollmächtigten benennen?

Nur wenn er im Inland wohnt oder hier einen Geschäftsraum hat. Ein Geschäftsführer mit Wohnsitz im Ausland ist gerade der Fall, für den die Benennung verlangt wird.

Seid Ihr als Anbieter unser Zustellungsbevollmächtigter?

Wir nehmen Post und förmliche Zustellungen auf Grundlage Deiner schriftlichen Vollmacht nach § 171 ZPO an und informieren Dich in der nächsten Bearbeitungsrunde, mindestens einmal pro Woche. Erwartest Du fristgebundene Post, sag uns vorher Bescheid. Eine Benennung gegenüber Gericht oder Finanzamt nach § 184 ZPO oder § 123 AO ist eine eigene Erklärung von Dir und keine Standardleistung. Sprich uns an, bevor Du uns irgendwo benennst.

Weiterlesen

Den Oberbegriff und seine Reichweite erklärt Empfangsvollmacht. Wie eine solche Vollmacht mit Umfang, Ausschlüssen und Widerruf formuliert sein kann, zeigt das Muster einer Empfangsvollmacht. Wie Annahme, Quittung und Benachrichtigung bei förmlicher Post praktisch ablaufen, steht in Einschreiben und Gerichtspost, welche Einschreiben es gibt und was sie beweisen, in Einschreiben-Arten mit Rückschein und Einwurf, den Ablauf einer Zustellung mit Zustellungsurkunde Stufe für Stufe zeigt Gelber Brief und förmliche Zustellung. Warum eine bloße Weiterleitungsadresse dafür nicht genügt, steht in BGH zur ladungsfähigen Anschrift.

Wenn Du vom Ausland aus eine deutsche Gesellschaft führst, ist der eigene Briefkasten mit Firmenname der belastbarere Weg. Den gibt es im Business-Paket ab 24,90 € netto im Monat. Schreib uns Deinen Fall: Kostenloses Angebot anfordern. Business und Digital Pro sind buchbar, mit Identitätsprüfung per Postident.


Hinweis: Dieser Eintrag ist keine Rechtsberatung. Er gibt den Stand vom 28.09.2026 nach den unten genannten Quellen wieder. Ob eine Benennung im Einzelfall genügt, entscheiden Gericht, Behörde oder Finanzamt.

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 29.08.2026, § 184 ZPO und § 123 AO erneut am 26.09.2026.

Identitätsprüfung vor der Freischaltung: im Impressum-Paket für Einzelunternehmer und Freiberufler per Ausweisfoto direkt im Vertragsformular oder nach der Unterschrift über den zugeschickten Link, bei Business, Digital Pro und Gesellschaften per Postident. Bei Gesellschaften identifizieren wir zusätzlich die für sie handelnde Person und die wirtschaftlich Berechtigten (§§ 10 bis 12 GwG); als Anbieter von Geschäftsadressen sind wir dort Verpflichtete nach § 2 Abs. 1 Nr. 13 lit. c GwG.